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SCHMIDT – Dresden

Im Chor der Frari-Kirche

Von der Faszination des Lichts als Stimmungsträger, der Bedeutung von Schicksalsschlägen für die Sujetfindung eines Werkes oder auch der Schönheit unberührter oder von Menschenhand überformter Natur erzählen viele der Werke, die am 23. September 2017 im Rahmen der Herbstauktion versteigert werden. Die Offerte der 53. Kunstauktion umfasst mehr als 1100 Lose, von Werken der Bildenden Kunst des 16.–21. Jahrhunderts bis hin zu Objekten des europäischen Kunsthandwerks.

Es gelangen mehr als 170 Gemälde des 18.–20. Jahrhunderts zur Versteigerung – darunter der "Blick in den Chor der Frari-Kirche in Venedig" von Carlo Canella, gemalt Mitte 19. Jh. Canella spezialisierte sich, wie auch sein Bruder, auf Vedutenmalerei und widmete sich zudem insbesondere der Darstellung von Kircheninnenräumen. In dem angebotenen Werk zeigt der Maler die festliche Atmosphäre einer Messe, bei welcher das Licht als Stimmungsträger und die gleichsam entstehenden Schattenpartien spannungsreiche Kontraste erzeugen, deren abgestufte Nuancen in vollem Umfang malerisch umgesetzt sind (Schätzpreis 14.000–18.000 €).
Adrian Ludwig Richters "Guck in die weite weite Welt" von 1859 belegt eindrucksvoll, wie das Leben den Maler in seiner Bildfindung beeinflusste. Das Gemälde, entstanden nach dem gleichnamigen Holzschnitt aus der Folge "Fürs Haus", hat Richter mit großer Wahrscheinlichkeit während des Malprozesses kompositorisch geändert, um den frühen Tod seiner Schwiegertochter Agnes malerisch zu verarbeiten. Die Vermutung, dass das Antlitz der vorderen Figur der Verstorbenen gleicht, liegt sehr nahe (9.500–11.000 €).
Etwa 20 Jahre später entstand Carl Spitzwegs Gemälde "Lagernde Karrner (Rast der Streuner)" (45.000–50.000 €). Mit lückenloser Provenienz versehen, hat es Spitzweg einst an den Münchner Vergolder und Rahmenmacher E. Pütterich verkauft, mit welchem er eng zusammenarbeitete. Inzwischen wurde das stimmungsvolle Gemälde u.a. im Rahmen zwei großer Ausstellungen publiziert ("Carl Spitzweg "das ist deine Welt", 2003–2005; "Carl Spitzweg. Reisen und Wandern in €pa und der glückliche Winkel", 2002/3).

Aus dem Bereich der Handzeichnungen sind zwei höchst bemerkenswerte Werke hervorzuheben – Theobald von Oers Originalkartons zu den Gemälden "Der Weimarer Musenhof", 1857 und "Die Fürstin Gallitzin im Kreis ihrer Freunde", vor 1864. Die Kreide- und Bleistiftzeichnungen auf Papier, auf Baumwollgewebe kaschiert und beide im Format 132,5 x 169,5 cm (12.000–15.000 € und 7.000–8.000 €), sind kunsthistorisch von allergrößter Bedeutung. Als eigenständige Kunstgattung zu bewerten, waren Kartons gleichzeitig Entwurfsmedium des Künstlers und Präsentationsform für Auftraggeber. Die danach entstandenen Gemälde befinden sich heute in der Alten Nationalgalerie Berlin sowie im Bistum Münster. Für den Karton "Der Weimarer Musenhof" ist die Bietteilnahme auf öffentliche Sammlungen beschränkt, um die Zugänglichkeit des Werkes zukünftig gewährleisten zu können.
Mit einer Darstellung dessen, was Philipp Franck am liebsten malte – atmosphärische Parklandschaften in virtuosem Pinselduktus am Berliner Wannsee und dem nahe gelegenen Potsdam – ist der Mitbegründer der Berliner Secession und Mitglied der Münchner Sezession in der aktuellen Auktion vertreten. Das 1906 entstandene Gemälde "Frühling in einem Park am Wannsee" wird in den Nachtrag zu WVZ Immenhausen aufgenommen und zeigt einen bis jetzt leider noch nicht identifizierten Park mit barocken Sandsteinfiguren unter dem kraftvoll sprießenden Laub der Bäume (12.000 €).
Stellvertretend für weitere Werke des 20. Jh. sollen an dieser Stelle die Arbeiten von Robert Sterl "Portrait Karl Arthur Pekrun",1923, (6.000–8.000 €), Albert Wigand "Obstteller mit Glas", um 1964 (4.800–6.000 €) sowie Paul Wilhelm "Dresden – Blick von der Brühlschen Terrasse auf Schlossplatz und Elbe", 1920er Jahre (10.000–12.000 €) genannt werden.
Mit einem kleinen Sonderkatalog wird der Sammlung des Leipziger Humanmediziners Dr. Arno Rebentisch (1915–1996) Rechnung getragen, welche den Betrachter motivisch durch die Entwicklung der Darstellung des weiblichen Aktes in der Druckgrafik des 20 Jh. führt.

Ein großer Louis XVI-Kontorsekretär, wohl im südwestdeutschen Raum um 1791 gefertigt, führt eindruckvoll in die Rubrik des Mobiliars ein (5.000–7.000 €), ebenso eine äußerst qualitätvolle klassizistische Kommode aus Sachsen, um 1790 (7.000 €). Nicht minder spannend und wohl ebenso selten ist die Lade einer Töpferinnung, vermutlich Radeberg, datiert 1664 (4.500–6.000 €).

Zur Vorbesichtigung lädt das Haus vom 14.–22. September, in der Zeit von 10–20 Uhr, Sa. von 10–16 Uhr herzlich ein.

Schmidt Kunstauktionen Dresden OHG