SCHULER – Zürich/CH

September-Auktionen 2017

Aufwendig und ästhetisch

Giampaolo Babetto gehört zu den bedeutendsten italienischen Schmuckdesignern. 1947 in Padua geboren, besucht er das renommierte Istituto d’Arte Pietro Selvatico seiner Heimatstadt. Zu Beginn seiner Ausbildung befasst sich Babetto mit dem Studium der Architektur und belegt anschliessend Kurse in der Abteilung Metallkunst und -Verarbeitung. Die Verbindung von architektonischer Gestaltung und hochstehendem Kunsthandwerk widerspiegelt sich in Babettos Schmuckstücken. An der kommenden Auktion werden 14 seiner aussergewöhnlichen Kreationen versteigert. So sucht ein raffiniertes Collier (Kat. Nr. 2179) aus offenen Goldwürfeln, deren Aussenflächen schwarz pigmentiert sind für 4000.– bis 8000.– Franken eine neue Besitzerin. Im neuen Jahrtausend wendet sich Babetto einem verspielterem Design mit grosser ästhetischer Wirkung zu. Charakteristisch sind dabei Drahtkonstruktionen, die er mit leuchtenden Farbpigmenten akzentuiert. Ein Ring (Kat. Nr. 2191, 2000.– bis 4000.– Franken) mit roter Pigmentierung ist ein faszinierendes Beispiel dafür. Der Fokus von Babettos Schmuck, der in traditionellen Techniken präzise ausgeführt wird, liegt jedoch stets in der Tragbarkeit und nicht in der reinen Dekoration.

Stahlrohrmöbel und Konkrete Kunst

Im 20. Jahrhundert wird nicht nur das Schmuckdesign revolutioniert, auch die Möbelgestaltung ändert sich radikal. Die üppig beschnitzten Buffets und Sessel des Jugendstils und der Gründerzeit weichen zeitgemässen Stahlrohrmöbeln. In der Schweiz ist es Werner Max Moser (1896–1970), der sich auf dieses moderne Mobiliar spezialisiert. Der Architekt wird 1927 Mitglied einer Schweizer Kollektivgruppe, welche die Einrichtung einiger Apartments in Ludwig Mies van der Rohes Weissendorf-Block (bei Stuttgart) übernimmt. Zurück in Zürich gehört er zu den Gründern der 1931 eröffneten Wohnbedarf AG. Für 1500.–2000.– Franken kommen ein Paar Sessel Modell 1434 (Kat. Nr. 3403) in der originalen Ausführung von Embru unter den Hammer. Ein weiterer Sessel (Kat. Nr. 3404) von Moser – das Modell 1453 – wird für 800.– bis 1200.– Franken ausgerufen.
Wie Moser ist auch Max Bill (1908–1994) ein Architekt, der sich als vielseitiger Künstler betätigt. Er gilt als wichtigster Vertreter der Zürcher Schule der Konkreten, einer Vereinigung von Malern und Bildhauern, die ihre Werke nach den Gesetzmässigkeiten von Farblehre und Geometrie gestalten. Sein Gemälde "Vier Farben gleicher Menge" von 1970/72 (Kat. Nr. 3045) aus Zürcher Privatbesitz ist auf 30.000.– bis 50.000.– Franken geschätzt.

Lilien und Cornelia

Der 1937 in Bradford geborene englische Maler David Hockney hingegen befasst sich seit Beginn seiner künstlerischen Laufbahn mit der gegenständlichen Malerei. Seine Umgebung, Freunde oder die Natur sind Hockneys bevorzugte Sujets. Auf einer frühen Lithographie "Lilies" von 1971 (Kat. Nr. 3218, 5000.– bis 7000.– Franken ) zeigt er neben den Blumen auch noch den Bleistift, mit dem sie gezeichnet wurden. Dem Realismus bleibt auch der Schweizer Bildhauer Karl Geiser (1898–1957) treu. Viele seiner figürlichen Plastiken entstehen als Kunst am Bau in Zürich und Winterthur. Zur Auktion gelangt sein eindrücklicher Bronze-Torso "Cornelia, stehend" von 1926 (Kat. Nr. 3311, 1/5), der auf 5000.– bis 7000.– Franken taxiert ist.

Email-Kelch und Porzellan-Koppchen

Mit vier Objekten ist die hierzulande kaum bekannte Email-Künstlerin Margarete Seeler (1909–1996) vertreten. Sie studiert in Berlin an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst. Die Kriegsjahre verbringt sie zunächst in Ostdeutschland, später zieht sie in den Schwarzwald und richtet sich dort ein Atelier ein. Sie erhält mehrere Lehraufträge in den USA, wohin sie bald ihren Wohn- und Arbeitssitz verlegt. Dort entstehen Werke für Synagogen und Kirchen. Sie gehört zu den wichtigsten Vertreterinnen ihres Fachs. Von ihrem tiefen Verständnis für die alte Tradition der Emailkunst und ihrer Umsetzung in die Gegenwart zeugt der "Family Cup" (Kat. Nr. 99) mit reichem Email cloisonné-Dekor. Zu ihrem Entwurf sagt Seeler: "I have been thinking of a tree with roots, a trunk, and a blossoming crown in which creatures live". Das einmalige Stück wird für 4000.– bis 6000.– Franken angeboten.
250 Jahre früher bemalen die beiden Schwestern Anna Elisabeth und Sabina Aufenwerth Meissner Porzellan mit bunten Chinoiserien. Sie gehören zu den wenigen namentlich erwähnten Porzellanmalerinnen des 18. Jahrhunderts. Unterrichtet und gefördert werden sie von ihrem Vater, dem Augsburger Hausmaler Johann Aufenwerth. Ein Meissner Koppchen (Kat. Nr. 5, um 1725) mit Chinoiserien in der Art von Elisabeth Wald-Aufenwerth wird Auktionator Antoine Schuler für 600.– bis 1200.– Franken ausrufen.

Silber und Marmor

Nicht nur die Email- und Porzellanmalerei, sondern auch die Silberschmiedekunst ist ein Pfeiler des hochstehenden Kunsthandwerks, für das die Stadt Augsburg bekannt ist. Zwei aparte Belege dafür sind die beiden klassizistischen Kerzenstöcke (Kat. Nr. 301) des Meisters Friedrich Jakob Biller, deren Schätzpreis bei 2500.– bis 3500.– Franken liegt. Schloss Rosenstein in Stuttgart lässt König Wilhelm I. ebenfalls im klassizistischen Stil erbauen. Zur Einrichtung dieser prunkvollen Sommerresidenz – die niemals dauerhaft bezogen werden sollte – gehören auch Marmorskulpturen nach antiken Vorbild. Sie werden vom württembergischen Hofbildhauer Ludwig von Hofer (1801–1887) ausgeführt. Nach der Abdankung von Wilhelm II. gelangt das Krongut 1920 bei Felix Fleischhauer zur Versteigerung. In seinem Katalog ist eine "Venus, welche sich die Sandalen bindet" aufgeführt, die nun von den Nachkommen des damaligen Ersteigerers zur Auktion gegeben wird. Die Marmorfigur (Kat. Nr. 561) auf dem originalen, marmorierten Sockel sucht für 8000.– bis 12.000.– Franken einen neuen Besitzer. Aufgrund ihrer Grösse und ihres Gewichts kann die Figur jedoch nur vor Ort besichtigt werden.

Brave Puppen und signierter Teppich

Sie sitzen geduldig auf einem hohen Stuhl mit Gobelin-Bezug. Auf dem Gemälde (Kat. Nr. 3014) des in Morges geborenen Benjamin Vautier d.Ä. (1829–1898) werden die beiden Puppen von einem Mädchen mit erhobenem Zeigefinger ermahnt. "Schön brav sein, solange ich weg bin" scheint es zu sagen, bevor es mit der Zeichenmappe unter dem Arm das Haus verlässt und zur Schule geht. Für das Ölbild aus Solothurner Familienbesitz sind attraktive 4000.– bis 7000.– Franken angesetzt. Der Genremaler Vautier ist ein prominentes Mitglied der Düsseldorfer Schule und wird schon zu Lebzeiten verehrt und geachtet. Vautiers Alltagsszenen im bäuerlichen aber auch im bürgerlichen Milieu sind präzise beobachtet und nicht selten mit einer Prise Humor umgesetzt. Die Erzählkraft seiner Bilder wird durch das harmonische Kolorit sowie die detailreiche Wiedergabe verschiedener Oberflächenstrukturen verstärkt. So ist beispielsweise das geometrische Muster des Teppichs auf dem Gemälde genau zu erkennen.
Eine aussergewöhnliche Musterung weist auch ein signierter Isfahan (Kat. Nr. 929) auf, der um 1880 äusserst fein geknüpft wird. Das Zentralmedaillon zeigt eine persische Prinzessin, deren Kleid von Menschen und Tieren bevölkert wird. Die Taxe für diesen einzigartigen Teppich wird mit 3000.– bis 4000.– Franken veranschlagt.

Von Affen und Fledermäusen

In der Meiji-Zeit (1852–1912) erlebt das japanische Kunsthandwerk eine erneute Blüte. Nach der Entmachtung der Samurai suchen die Künstler, die bis anhin Waffen und Rüstungen angefertigt haben, nach anderen Betätigungsfeldern. Ein besonders gelungenes Beispiel ist eine signierte Ziertafel aus Bronze (Kat. Nr. 1029) mit der Applikation eines personifizierten Affen in Kimono. Durch seine Brille begutachtet er ein Netsuke in Form eines Affen. Das aufwendig gearbeitete Werk wird für 5000.– bis 7000.– Franken ausgerufen. Eine hochstehende Email cloisonné-Arbeit stellt hingegen ein Räuchergefäss mit reichem Drachen- und Phönixdekor dar (Kat. Nr. 1036). Es wird auf 1800.– bis 2400.– Franken taxiert. Bei den chinesischen Objekten ist vor allem das Porzellan aus der Republik-Zeit (1912–1949) hervorzuheben. Eine Tianqiu-Vase (Kat. Nr. 1117) ist mit fünf Fledermäusen in Eisenrot und Schwarz verziert, die über einer wolkenverhängten Kiefer fliegen. Sie symbolisieren die fünf Glückseligkeiten Langlebigkeit, Reichtum, Gesundheit, Tugendhaftigkeit sowie ein natürlicher Tod. Sie sucht für eine Schätzung von 2000.– bis 2500.– Franken einen glücklichen Käufer.

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